Roboterjournalismus, die automatische Geheimwaffe des Journalisten

Von Saim Rolf Alkan, Gründer und CTO von AX-Semantics

Die Anforderungen an die Medienunternehmen und insbesondere den Rundfunk, ob öffentlich oder privat, haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Welt wird beziehgungsweise ist digital und die Gesellschaft hat sich längst an die jederzeit in allen Bereichen abrufbaren Inhalte gewöhnt. Wer diesem Anspruch gerecht werden will, muss sein Programm an die neuen Gesetzmäßigkeiten anpassen. Schnelllebige Trends und Moden, die steigende Medienvielfalt durch immer mehr Plattformen und Kanäle sowie ein Anstieg im internationalen Handel von Waren, Dienstleistungen und Medien tun ihr Übriges. Wer in dieser unmittelbaren, mediengetriebenen Welt bestehen will, muss dem exponentiell steigenden Bedarf an Content in nahezu allen Bereichen nachkommen.

Doch wie sollen Redaktionen plötzlich diese Herkulesaufgabe meistern, ohne durch zusätzliche Kosten ihre Konkurrenzfähigkeit zu verlieren?

Ein Beispiel aus der Praxis

Um den Anschluss an Mitbewerber nicht zu verlieren, ist es wichtig, genug Traffic auf seiner Website zu generieren. Das heißt, es sollte darauf geachtet werden, sich durch immer wieder neuen unique Content beim Suchmaschinenranking hervorzutun und so eine vordere Platzierung zu erreichen. News.de arbeitet beispielsweise mit der Software von AX-Semantics, der Hybriden Content Redaktion. Das Nachrichtenportal konnte mittels der automatischen Textgenerierung eine für sie ganz neue Sparte, den Fußball, auf ihrer Homepage einführen und so deutlich an Sichtbarkeit und Traffic zulegen.

We kill the writers job

Wie in jedem Bereich wird dem Einsatz von künstlicher Intelligenz auch im Journalismus oft mit Skepsis begegnet. Eine große Befürchtung ist, dass der Einsatz von automatischer Textgenerierung am Ende Arbeitsplätze kostet und die Redaktionen bis auf ein Minimum ausgedünnt werden. Tatsächlich konnten wir aber das Gegenteil beobachten. Nach der Integration der Hybriden Content Redaktion in die Arbeitsprozesse zahlreicher Redaktionen, konnte das Textangebot erhöht werden. Dies führte zu Mehreinnahmen, die in die Erstellung von manuell erstellten Artikeln investiert werden konnten. So konnte durch die Abgabe der repetitiven Texterstellung an die Maschine der qualitativ anspruchsvolle Journalismus sogar gefördert werden. Die Anwendungsgebiete der Software innerhalb des redaktionellen Bereichs sind nur durch das Vorhandensein von strukturierten Daten reglementiert. Use Cases können vom Erstellen von zielgerichteten Wahlberichtserstattungen über Wettertexte bis hin zu Fußballberichten reichen. So können ohne Mehraufwand auch regionale Ereignisse erfasst und betextet werden.

Was steckt dahinter? Ein Blick unter die Roboterhaube

Die Software, die dies ermöglicht, kann innerhalb weniger Sekunden, Millionen von einzigartigen Texten generieren und diese in alle existierenden Sprachen übersetzen. Das Herz dieser Form der Augmented Intelligence sind strukturierte Daten, die über eine Schnittstelle in die Software eingespeist werden. Mit der Qualität dieser Daten steht und fällt die Korrektheit eines automatisch generierten Textes. Wenn die Daten fehlerhaft sind, fällt der Text schnell in die Kategorie der ’Fake News’.

Um diese korrekten und strukturierten Daten baut nun ein Journalist oder Redakteur ein Satzgerüst mit verschiedenen Varianten. Diesem Urtext haucht der ausgebildete Experte seinen Stil, seine Sprache und Tonalität ein. Die Hybride Content Redaktion stellt also eine Kollaboration zwischen Mensch und Maschine dar. Jedem Journalisten oder Anwender ist es so möglich, sich einen eigenen Assistenten zu formen, der ihm das Schreiben von iterativen Texten, die auf strukturierten Daten basieren, erleichtert.

Visionen

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Umso wichtiger, dass Journalisten, unser Rückgrat der Demokratie und Gesellschaft, genügend Zeit, Kapazitäten und Mittel zur Verfügung haben, um fundierte und gut recherchierte Artikel zu verfassen. Doch in vielen Redaktionen sieht die Realität leider anders aus: Überlastete Mitarbeiter, zu wenige Texte, die den Bedarf an Content nicht decken können und ein kleines Budget.

Die Welt hat sich durch die Digitalisierung gewandelt, darum muss sich auch das Berufsbild des Journalisten verändern. Redaktionen müssen auf den gestiegenen Content Bedarf reagieren können, um ihren Lesern weiterhin umfangreichen, qualitativ hochwertigen Journalismus zu bieten.

Eine adäquate Reaktion sehe ich in der Verwendung der Hybriden Content Redaktion. Die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine ist die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Dies zeigt auch der jüngst veröffentlichte Gartners Hype Cycle for emerging Technologies 2019. Was in der Automobilbranche mit den gelenkschonenden und stärkenden Exoskeletten schon lange Realität ist, wird nun auch im Redaktions- und Marketingbereich möglich. Unsere Software unterstützt die Redakteure weltweit bei der Aufgabe, dem stets wachsenden Content Bedarf beizukommen. Hybride Content Redaktion ist die Technologie der Zukunft, die schon heute nutzbar ist.

Zur Person

Saim Rolf Alkan, Studium des Wirtschafts-Ingenieurwesen an der Fachhochschule für Technik Esslingen. Seit 2001 Gründer und CTO von AX-Semantics und Autor zahlereicher Fachbücher im Bereich Online-Texten.

Foto: Nora Tabel. Foto Startseite: www.ax-semantics.com

Release 5. Dezember 2019